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Gesamtansicht Rezensionen

978-3-503-17747-9
Denkstile in der deutschen Sprachwissenschaft
Bausteine einer Fachgeschichte aus dem Blickwinkel der Wissenschaftstheorie Ludwik Flecks. Philologische Studien und Quellen 265

Im Jahr 1935 veröffentlichte der damals noch wenig bekannte Lemberger Arzt und Mikrobiologe Ludwik Fleck (1896–1961) sein Buch mit dem Titel „Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache: Eine Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv“, in dem er seine grundlegenden wissenschaftsphilosophischen und erkenntnistheoretischen Ideen dargelegte. Trotz einiger sehr positiver Kritiken fand das Werk Flecks zunächst nur einen geringen Leserkreis. Die spätere Rezeption seiner Gedanken, maßgeblich angestoßen durch das Buch des Wissenschaftsphilosophen Thomas Kuhn „The Structure of Scientific Revolutions“ (1962), ermöglichte interdisziplinäre wissenschaftliche Diskussionen weltweit. …

978-3-8275-0020-5
David Ben Gurion
Ein Staat um jeden Preis

Er ist, laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung, „der klügste Historiker Israels und auch noch einer der besten Erzähler.“ Bei uns wurde er zuerst durch „Die siebte Million“ bekannt (1995; 1991 Jerusalem; 1993 New York), einer dezidierten Abrechnung mit „Israels Politik der Erinnerung“, so der Untertitel. Es geht um den Umgang des Judenstaates mit der Shoah: Die Hoffung der Überlebenden auf Erlösung aus dem Grauen des Massenmords richtete sich auf das Gelobte Land, auf Palästina und die dort lebenden Juden. Ihre Hoffnung wurde getäuscht. Statt auf Mitgefühl und Solidarität stießen sie auf Verdächtigungen, statt auf Interesse auf eisiges Schweigen: Wie die Lämmer seien sie zur Schlachtbank gegangen, statt im Widerstand kämpfend zu sterben, lautete der Vorwurf. Passiv, ohne Widerstand hätten die Juden in der Diaspora ihr Schicksal verdient. Wer aber überlebte, sei schuldig geworden, …

978-3-8270-1362-0
Franziska zu Reventlow
Eine Biografie

Walter Fritz nannte sie einen „Gladiator der neuen Zeit.“ Rainer Maria Rilke, einer ihrer zahlreichen Freunde und Bewunderer, erklärte: „Ich finde, daß ihr Leben eins von denen ist, die erzählt werden müssen.“ Und Leonhard Frank, Würzburger Schriftsteller, den es für einige Jahre nach München verschlug, beschreibt in seiner romanhaften Autobiographie „Links wo das Herz ist“ die literarische „Szene“ um das Café Stephanie und den legendären Kellner Arthur, der auch verarmten Möchtegern-Künstlern und verkrachten Existenzen einen Kaffee spendierte, und die „Entourage“ „dieses Boheme-Cafés, wo die Schablonen des Lebens gründlich zerstört und beseitigt wurden“: „Die verarmte Gräfin Reventlow, klein, schmal und noch elegant gekleidet, die später ein heiteres Buch über ihre Liebeserlebnisse veröffentlichte, trat ein und winkte. Sie hatte nach dem Sturz in die Armut ihre Heimat in der Boheme gefunden und lächelte seither ruhig ihr: Komme, was kommt.“ …

978-3-406-73719-0
Marc Aurel
Der Kaiser und seine Welt

Kein römischer Kaiser ist umfangreicher dokumentiert als Marc Aurel (121-180). Alexander Demandts Marc Aurel. Der Kaiser und seine Welt nimmt sich vor, in zehn Kapiteln, die sich jeweils aus 26 Kurzbeiträgen zusammensetzen, Herrscherporträt mit Zeitgeschehen zu verbinden.

Noch zur Zeit des Marc Aurel ist das geografische Übermaß Roms augenfällig, wie Demandt im Vorsatzblatt mit Kartenmaterial dokumentiert. Mit dem stoischen Herrscher endet das Adoptivkaisertum und die Ära der Pax Romana. Zum Aufwärmen wird Wissenswertes zu Kaiserkult und innerer Verfassung Roms seit den Tagen des Augustus geboten (S. 13-44), anschließend zu Schriftquellen und Denkmälern, die zu Marc Aurel überliefert sind (S. 45-91). …

978-3-608-50355-5
Kunst hassen
Eine enttäuschte Liebe

„Wer Kunst liebt, darf Kunst hassen“ (Umschlag 4) bildet das Credo des kleinen Büchleins, das Nicole Zepter als grundlegende „Kritik an dem Kunstsystem an sich“ (S. 15) konzipiert hat. Dabei greift sie vieles auf: die eigene Begrifflichkeit des Kunstbetriebs, die gegenseitige Interessenvermischung von Kuratoren, Kunsthändlern, Kunsthistorikern und Künstlern selbst (vgl. S. 15), die Kommerzialisierung von Ausstellungen und Kunstwerken (vgl. S. 18) sowie das Merchandising, die Sprachlosigkeit der Kunstschaffenden und die Orientierungslosigkeit der Betrachter von Kunst (vgl. S. 25), um nur einige Beispiele zu nennen. Liebe und Hass sind die von ihr gesetzten Antipoden; auf die eine Seite setzt sie „sinnliche und intellektuelle Auseinandersetzung“ wie auch „ästhetische Erfahrung“ (S. 26), den Gegensatz bildet die Kanonisierung der Kunst „von wenigen Einflussreichen“ (S. 26), den es zurückzudrängen gilt. Denn Zepters erklärtes Ziel ist es, über Kunst über Gesellschafts- und Bildungsgrenzen hinweg zu reden und Distanz zur Kunst abzubauen (vgl. etwa sinngleich S. 29). …

978-3-406-71513-6
Deutsche Geschichte

Zusammenhänge zwischen politischer, sozialer und geistiger Entwicklung der deutschen Geschichte kurz und prägnant zu beschreiben, ist eine Kunst. Die Deutsche Geschichte des Historikers Andreas Fahrmeir aus der Reihe C.H.Beck Wissen unternimmt einen Versuch.

Zur Römerzeit besaß die Region, die später einmal „Deutschland“ heißen würde, die „bescheidene Infrastruktur einer Subsistenzgesellschaft“ (S. 11), die sich im Hochmittelalter „in geistliche und weltliche, ländliche und städtische“ Herrschaftsformen weiterentwickelte (S. 16). Das Geflecht aus Grafschaften, Reichsstädten und geistlichen Gebieten blieb dabei lange ein loser Reichsverbund mit sich ändernden Grenzen. Das explizit „deutsche“ am „Heiligen Römischen Reich“ kündigte sich zum Ende des 15. Jahrhunderts an. …

978-3-412-50209-6
Leonid Breschnew
Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins. Eine Biographie

Sowjetische Machtlenker haben besonderen Touch: sie sind geheimnisumwittert, bäuerlich-brutal oder sympathisch-reformistisch. Ihre Affinität zu Deutschland und den Deutschen ist vielfältig dokumentiert. Ihre Lebensläufe sind weit weniger bekannt. So sind deutschsprachige Biographien über Leonid Breschnew (1906-1982), der am zweitlängsten die Sowjetunion regierte, überschaubar geblieben. Susanne Schattenberg, Osteuropahistorikerin an der Universität Bremen, schließt mit Leonid Breschnew, Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins eine Lücke.

Das Leben Breschnews, ein Spannungsfeld „zwischen der Virilität der frühen Jahre und dem körperlichen Verfall seit 1975“ (S. 11), war lange nicht zu schreiben, Breschnew blieb ein Mann ohne Biographie. …

978-3-86153-961-2
Fake News machen Geschichte
Gerüchte und Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert

Vor allem mit dem Amtsantritt von Donald Trump in den USA wurden ‚Fake News‘ und ‚Alternative Facts‘ zu einem viel diskutierten Thema. Je mehr ‚Fake News‘ im Umlauf sind, desto mehr wächst das Verlangen danach, sie entlarven zu können und sich vor ihnen zu schützen. Das nahmen die beiden Autoren Keil (seit 2001 Redakteur im Ressort Innenpolitik der Mediengruppe WELTN24) und Kellerhof (seit 2003 Leitender Redakteur der Mediengruppe WELTN24 und für die Zeit- und Kulturgeschichte verantwortlich) zum Anlass, sich verschiedene ‚Fake News‘ seit 1933 genauer anzuschauen, und zu untersuchen, auf welche Weise sie den Lauf der Geschichte beeinflusst haben. Dass ‚Fake News‘ kein neues Phänomen sind, wird durch den historischen Querschnitt verdeutlicht. …

978-3-7861-2607-2
Vom Nachleben der Kardinäle
Römische Kardinalsgräber der Frühen Neuzeit

Mit dem Forschungsprojekt „Requiem“ (http://requiem-projekt.de/, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/REQUIEM-Projekt), der dazugehörigen Datenbank sowie den daraus resultierenden Tagungsbänden und Einzelstudien haben Arne Karsten und Philipp Zitzlsperger, die beide zugleich Herausgeber des hier anzuzeigenden Buches sind, einen bemerkenswerten Bild- und Textfundus geschaffen, der auch Grundlage für die Beiträge in Vom Nachleben der Kardinäle ist. Dieser Band ist als Zwischenstand der bisherigen Forschungsarbeit angelegt - zumal Zitzlsperger seinen Beitrag (S. 23-65, „Requiem - Die römischen Papst- und Kardinalsgräber der Frühen Neuzeit. Ergebnisse, Theorien und Ausblicke des Forschungsprojektes“) eigens so überschrieben hat. …

978-3-7887-2781-9
Die letzten Dinge
Theologische Bibliothek

Den Tod eines Menschen als seine endgültige Auslöschung zu begreifen, hatten und haben vergangene und gegenwärtige Kulturen immer wieder abgelehnt. Die Konzepte hierzu reichen von einer Idee, die Welt des Toten möglichst unverändert für eine Ewigkeit in das Jenseits zu überführen, um dem Sterbenden und den Angehörigen ein Gefühl der Vertrautheit und Sicherheit zu vermitteln, bis hin zu einer Vorstellung eines besseren Lebens nach dem Tod, um Hoffnung zu geben und Trost zu spenden. Hinzu treten die Idee einer zyklischen Wiedergeburt, aber auch die der Verdammnis oder die des ewigen Unbewusstseins. Die Antworten auf die Frage, was den Menschen nun nach seinem Tod erwartet, sind also kulturabhängig vielgestaltig. …