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Die zehn neuesten Rezensionen
Die Beschäftigung mit der sog. Neuen Rechten hat Konjunktur. Das lässt sich sowohl an der Vielzahl einschlägiger Publikationen auf dem (wissenschaftlichen) Buchmarkt ablesen als auch an diversen Porträts von zentralen rechtspopulistischen und rechtsextremen Vordenkern in der Presse (zuletzt vor allem in der ZEIT). In dem von Jens-Christian Wagner und Sybille Steinbacher herausgegebenen Sammelband Rechter Geschichtsrevisionismus in Deutschland. Formen, Felder, Ideologie beleuchten Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen und Perspektiven in acht Fallstudien die Umdeutung, Vereinnahmung und Leugnung von historischen Ereignissen durch rechtsextreme Denker – tatsächlich werden ausschließlich Männer näher in den Blick genommen – und Gruppen. …
Die wechselvollen historischen Ereignisse sind es, die den Nahen Osten für Europa interessant machen, wie auch seine geografische Lage als Brücke zwischen Orbis orientalis et occidentalis, die für europäische Mittelmeeranrainer das Tor in eine fremdartige, kulturell anziehende Welt bedeuten. In der Antike Teil der römischen Zivilisation wie so viele heute selbstständige Staaten im Westen und Osten unseres Kontinents, war und blieb der Orient Teil einer europäischen Erinnerungskultur. Nach und nach durch die arabische Eroberung der Region bis schließlich zum Fall Konstantinopels, wurden die Gebiete des Nahen Ostens für Europa unbekanntes Land. Die Stätten der Bibel, die die Religion der nachrömischen Zivilisationen prägte, waren nur noch Namen, für Gläubige kaum noch erreichbar. …
Astrid Ackermanns Studie zu Bernhard von Sachsen-Weimar (1604–1639) ist die überarbeitete und gekürzte Fassung ihrer Jenaer Habilitationsschrift aus dem Jahr 2017. Die Studie behandelt das Leben und Nachleben Herzogs Bernhards. Bernhard erfuhr im ernestinischen und lutherischen Milieu des Weimarer Hofes nicht zuletzt auch im anti-kaiserlichen Sinne seine Grundorientierung; mit dem Fortschreiten seiner Laufbahn als Feldherr wuchs jedoch im Takt der zunehmenden geographischen Distanz zum Wirkungskreis seiner noch lebenden Brüder in Weimar auch die politische Distanz: …
Rainer Maria Rilke ist der nach Goethe meistgelesene deutschsprachige Dichter weltweit; Zeitgenossen priesen und höhnten ihn. Die Biographik und Sekundärliteratur über Rilke sind längst unübersehbar geworden. Dabei gibt es, so Hugo von Hofmannsthal, „kein gewagteres Unternehmen als den Versuch, ein Individuum darzustellen.“ Heute wird vieles ausgeleuchtet, demaskiert. Nein, es gibt kein gewagteres Unternehmen, als dieses Leben, dieses Werk in seiner geschichtlichen und künstlerischen Zeit und Zeitgenossenschaft darzustellen. …
Adam Marks’ Studie rückt die Anwerbung und den Einsatz von englischen Offizieren und Soldaten in den kontinentaleuropäischen Kriegen der 1620er und 1630er Jahre in den Mittelpunkt der Betrachtung. Marks konzentriert sich hierbei dezidiert auf englische Soldaten; seine Studie steht mithin komplementär neben den Studien von Alexia Grosjean und Steve Murdoch zu den schottisch-nordeuropäischen militärischen Verflechtungen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Der hauptsächliche Ansatz des Verfassers ist es, der entkoppelten Betrachtung britischer und kontinentaleuropäischer Entwicklungen am Vorabend der Kriege der Drei Königreiche (Wars of the Three Kingdoms) vor allem durch die britische Geschichtsschreibung entgegenzuwirken. …
Vor etlichen Dezennien hatte ein seinerzeit bekannter, umstrittener (und jetzt langsam dem Vergessen anheim gegebener) Kritiker öffentlich gemault: „Die Literatur Israels ist sehr schwach.“ Klar, wenn man außer Ephraim Kishon niemand anderes kennt … Dies zeigt uns lediglich eins: das unzulängliche Niveau der Literaturkritik in Deutschland, die glaubt, aufgrund von mangelhaftem Wissen ein Urteil abgeben zu können. Doch ein fundiertes Urteil ist nur möglich aufgrund umfassender Sachkenntnis. Wir hätten es längst besser wissen können: – allerspätestens seit der 1996 auf Deutsch publizierten Literaturgeschichte Israels „Geschichte der modernen hebräischen Literatur. …
Eine solche Unterbreitung des, wie es heißt, „nicht leicht zu fassend[en]“ (S. 35) Beziehungsgefüges von Gattung und Gesellschaft ist geeignet, regelrecht ein Nest von mehreren Triggern aufzuscheuchen. Schon dass die beiden Bereiche als auch je eigene Pole gefasst werden, muss auf die Bewertungen der hier getätigten Aussagen durchschlagen, die Rezeption polarisieren. Die im Untertitel beschworene Unentrinnbarkeit von Spannung, wird, sowohl in der Argumentationsabfolge wie im Kalkül, mit welchen Einwänden und Protesten man aufgrund der Positionen im Vortrag rechnen sollte, bestätigend eingelöst. …
Im Volumen liegt das Schwergewicht dieses Werks auf der besonders optischen, numerischen und versprachlichten Unterbreitung eines zur weiteren auswertenden Behandlung harrenden Datenmaterials. Es greift jenes für den Gesamtstaat, damals ‚Kaisertum Österreich‘, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konzipiertes Projekt der „Superlative“ (S. 13) einer Bewertung zum Zweck der Verwertung auf, um es heute den völlig gewandelten, aktuellen Fragekomplexen zur Verfügung zu stellen. …
Diese Studie von Emma Hagström Molin stellt eine Übersetzung ihrer schwedischsprachigen Dissertation aus dem Jahr 2015 dar. Einleitung und Schluss wurden für diese Ausgabe neu verfasst, wobei diese drei Fallstudien umrahmen. Die Verfasserin betrachtet die Gegenstände ihres Werks von einem „object-biographical viewpoint“ (S. 52) aus. Die Wandelbarkeit der untersuchten Gegenstände und ihre instabilen Rollen in changierenden Sammlungszusammenhängen sind die leitenden Grundgedanken dieser Arbeit. …
Ausgehend davon, dass es wohl darin keinen „finalen, statischen Zustand“ (S. 33) gibt, dient der hier in äußersten Grundlinien, sehr knapp gebotene historische Heraufzug der „Entwicklung moralischer Erkenntnis“ (S. 8) dazu, die diesbezügliche aktuelle Bedarfslage besser einschätzen zu können, wo heute „doch irgendeine Entwicklung zweifellos gebraucht wird“ (S. 109). Damit ist auch schon die bei der Moralentwicklung unabdingliche, einem Gesetz gleichende Relevanz eines fortlaufenden Aktualisierungsbedarfs zum Überdenken dessen, was in der jeweiligen Zeitphase als gültig anerkannt wird, ausgesprochen. …


