Titel
Wonderful Things 3
Untertitel
From 1914 to the twenty-first century
Rezension

Der dritte Band der von Jason Thompson verfassten Reihe namens Wonderful Things – A History of Egyptology, beschäftigt sich abschließend mit der Zeit des 21. Jahrhunderts, ausgehend vom Jahr 1914. Es ist dem Autor gelungen, die Darstellung zur Erschließung des alten Ägypten in gleichbleibender Qualität fortzuführen. Auch dieser Teil enthält eine Zeittafel, eine Karte des antiken Ägyptens und des alten Nubiens sowie einen Index. Somit liegt ein umfangreicher Überblick vor, der aufgrund der Forschungsausrichtung von Thompson als Historiker zugleich objektiv und dennoch mit einem Auge für das Detail von ihm zusammengestellt wurde.

Die gesamte Trilogie ist sowohl für Wissenschaftler als auch interessierte Laien geeignet, welche sich einen Überblick über diese altertumswissenschaftliche Disziplin verschaffen möchten und kann uneingeschränkt empfohlen werden. Mit einer umfangreicheren Seitenzahl von insgesamt 598 gegenüber den ersten beiden Bänden gelingt es dem Verfasser abermals facettenreiche Eckpunkte zum Thema herauszustellen. Der Autor verwebt in einer chronologischen Betrachtung die zunehmende Beteiligung von Institutionen im Kontext der Arbeit einzelner Wissenschaftler innerhalb der Ägyptologie.

Thompson behandelt das ägyptologische Wirken während der beiden Weltkriege. Damit stellt er einen Teil des weltpolitischen Geschehens dar, welcher Auswirkungen selbst auf eine kleine Disziplin wie die Ägyptologie hatte. In diesem Zusammenhang werden Informationen vorgetragen, die einige Wissenschaftler negativ in der Forschungslandschaft portraitieren, da sie mit dem Nationalsozialismus in Verbindung standen. Diese Eindrücke werden durch Zitate aus Briefwechseln belegt. Hervorzuheben ist, dass der Autor keine Wertung vornimmt, auch nicht eine der konträren Haltung anderer Wissenschaftler, sondern die Aussagen der beteiligten Personen für sich wirken lässt und eher in Berichtform zusammenstellt. Somit ermöglicht es diese Herangehensweise dem Leser, ein eigenes Bild dieser Zeit im Kontext der Ägyptologie zu entwickeln.

Erwähnenswert ist zudem ein Kapitel, das der Arbeit weiblicher Wissenschaftler in der Ägyptologie gewidmet ist. Thompson schreibt (S. 326), dass der Geschlechterwandel in der Ägyptologie Amelia Edwards zu verdanken sei, welche eine Stelle am University College London annahm. Nichtsdestotrotz hatten Frauen es auch von diesem Zeitpunkt an schwer, in der Ägyptologie Fuß zu fassen. Diese Wissenschaft wurde lange von Männern dominiert, doch besonders hebt der Autor hierzu männliche Ägyptologen hervor, welche die Arbeit von Frauen förderten, wie z. B. Flinders Petrie. Diese Debatte könnte an anderer Stelle noch ausführlicher ausgearbeitet werden und stellt hier lediglich eine Skizzierung dar.

Außerdem herauszustellen ist, dass Thompson die Bemühungen während des letzten Jahrhunderts in Nubien schildert. Diese dienten dazu, die dort angesiedelten archäologischen Stätten zu bewahren. Politische und ökonomische Ereignisse in Ägypten der 1960er und 1970er Jahre rund um den Nasser-Staudamm, den Suez-Kanal und die Folgen für z. B. die berühmte Tempelanlage Abu Simbel werden betrachtet. Die UNESCO und ihre Rolle sind ausführlich dargelegt und somit die zunehmende Institutionalisierung der archäologischen Arbeit. Er geht ebenfalls mit jeweils einem Kapitel recht umfangreich auf die Feldarbeit in Ober- und Unterägypten ein, wobei ein Hauptthema die Ausgrabungen im Tal der Könige ist.

Demgegenüber behandelt Thompson die Philologie und Kunst sehr knapp, obwohl vor allem die ägyptische Sprachwissenschaft einen enormen Teil der Disziplin ausmacht. Von Interesse wäre hier eine Betrachtung der Digitalisierung gewesen und wie diese dazu beitragen kann, z.B. Online-Wörterbücher zu entwickeln. Auf S. 415 beispielsweise geht er in Bezug auf die Untersuchung von Mumien zwar auf die Röntgenstrahlen und die Magnetresonanztomographie ein. Dennoch hätte ein Ausblick auf aktuellere Technologien angeschlossen werden können und wäre sogar wünschenswert gewesen, möglicherweise in Form eines Ausblicks.

In dieser Trilogie zur Geschichte der Ägyptologie nicht zu vergessen ist der zwei Kapitel umfassende Teil über die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun im Jahr 1922. Im ersten Teil schildert der Autor die Umstände der Entdeckung und behandelt darauffolgend in einem zweiten Part den „Fluch des Pharaos“ und die Todesfälle, z. B. den Lord Carnavons. Thompson zufolge ist (S. 77) „the true Pharaoh’s Curse“, dass „many leading Egyptologists of the day never considered Carter one of them.“ Er hatte keine formale Ausbildung als Ägyptologe erhalten und Thompson spricht somit die Eigenwahrnehmung der Exklusivität in der Ägyptologie und ihre Tendenz zur Verschlossenheit an.

Nichtsdestoweniger löste gerade diese Entdeckung einen enormen Einfluss auf das Bild der Ägyptologie in der öffentlichen Wahrnehmung aus. Diese „Tutmania“ (S. 49f.) ist bis heute andauernd und ein offenerer Umgang hierzu könnte Chancen für das Fach bieten. Deutlich wird dies an der Auswahl des Coverbildes, welches als Blickfang dieses dritten Bandes dient. Hierauf zu sehen ist das viel zitierte Foto von Howard Carter vor der geöffneten Grabkammer von Tutanchamun, als er all die wunderbaren Dinge erblickt.

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