Titel
Ein Kampf
Untertitel
Illustriert von Jean-Jacques Sempé
Rezension

Patrick Süskinds Novelle handelt vom Kampf auf den 64 Feldern des Schachbretts. Wie auch bei früheren Veröffentlichungen Süskinds wird vorliegendes Bändchen wieder mit Abbildungen des französischen Zeichners Sempé komplettiert.

Süskinds Thema, Schach als Gelegenheit des Kräftemessens zwischen gegensätzlichen, gar feindlichen Seiten, scheint dem realen Leben entnommen: Bei der Schachweltmeisterschaft 1972 spielten Bobby Fischer und Boris Spasski, also die Weltmächte USA und UdSSR gegeneinander. Jahre später traf im innersowjetischen Duell mit Karpow und Kasparow alte sowjetische Ordnung auf reformistischen Aufbruch der Prägung Gorbatschows.

Den großen Rahmen der Weltpolitik wählt Süskind freilich nicht. Sein Kampf spielt im Pariser Jardin du Luxembourg, die Kontrahenten sind französische Alltagsfiguren: ein schwarzhaariger Jüngling „mit einer ganz außergewöhnlichen Persönlichkeit von großer und genialer Begabung“ und Jean, „ein ziemlich scheußliches Männlein von etwa siebzig Jahren“ (S. 14). Die Schachpartie vor interessiertem Publikum beginnt, nimmt ungewöhnlichen Verlauf und endet überraschend. Trotz weniger Textseiten gelingt es Süskind, gleich einem Radioreporter im Stile der Erzählzeit, einen Spannungsbogen herzustellen, um mit leicht tragischen und nachdenklichen Zügen in der Beschreibung eines der Protagonisten zu enden.

Neben Strategie verlangt Schach auch menschliche Größe. Bei Erfolg ist „keine Überheblichkeit und bei erlittener Niederlage keine Verstimmung“ zu zeigen, lehrte schon Dufresne. Ob Süskind selbst passionierter Schachspieler ist, weiß niemand – bis heute bleibt er öffentlichkeitsscheu und merkwürdig konturlos. Sicher ist, dass sich Ein Kampf – Schachkenntnisse vorausgesetzt – zwischen zwei Teetassen mit Spannung und viel Gewinn gut lesen lässt.

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