Titel
In Pompeji
Untertitel
Was Mozart, Twain und Renoir faszinierte
Rezension

Ingrid D. Rowland erzählt in dem vorliegenden Buch ihre eigene Geschichte, die sie mit Pompeji verbindet, der 79 n. Chr. unter dem Ascheregen eines Vulkanausbruches begrabenen Stadt. Im Jahr 1962, als sie im Alter von 8 Jahren zusammen mit ihrer Familie nach Neapel und anschließend nach Pompeji reiste, war sie beeindruckt wie mitgerissen. Von dieser Faszination getragen, nimmt sie den Leser mit auf die Reise durch diese antike Stadt.

Im Jahr 63 n. Chr. durch ein Erdbeben erschüttert, wurde Pompeji sowie das benachbarte Herculaneum am 24. August oder am 24. November 79 n. Chr., nach mehreren Ausbrüchen des Vesuvs, unter vulkanischen Steinchen und pyroklastischen Strömen begraben. Diese tödliche Masse breitet sich mit einer Geschwindigkeit von mehreren 100 km/h aus. Dabei tötet sie jedes Leben, das sie unter sich begräbt. Sobald sie sich abkühlt, wird sie zu einer undurchdringlichen, erhärteten Masse. Der erste Bericht, der diese Ereignisse beschreibt, stammt von Plinius dem Jüngeren, der diesen 15 Jahre nach dem Ausbruch des Vesuvs verfasste.

Erste Hinweise auf die Lage des noch versunkenen Pompeji gab es 1592, als der Architekt Domenico Fontana den Auftrag ausführte, einen Kanal zu graben. Hierbei stießen dessen Arbeiter auf Gebäude Pompejis. Jedoch bestätigten erst Funde im Jahr 1763 dessen genaue Lage.

Eingeführt wird Pompeji durch Gedichte aus verschiedenen Epochen, die die Ruinen beschreiben, so z. B. von Leopardi in der zweiten Jahreshälfte 1836. Sein Gedicht entstand, nachdem eine heftige Eruption einen neuen Krater aufgeworfen hatte. Das Bild, das sich Leopardi von der Stadt bot, war trostlos und grau. Pompeji in der Gegenwart hat sich erholt, auf dem aschgrauen Boden hat sich grünes Leben entwickelt, Blumen und Bäume erblühen, die Vögel singen. Über holprige Wege führt der Weg hinein in die Stadt.

Wolfgang Amadeus Mozart bereiste 1770 mit seinem Vater Pompeji. Ob der Besuch von Pompeji sein Werk „Die Zauberflöte“ tatsächlich beeinflusst hat, wie es vermutet wird, lässt sich nicht sicher belegen. Berühmt wurde das Gemälde „Der letzte Tag von Pompeji“, welches der russische Künstler Karl Pawlowitsch Brjullow nach seiner Reise nach Pompeji 1828 schuf. Der Gang durch die Ruinen inspirierte ihn zu diesem monumentalen Historiengemälde (Abb. S. 153). Ab 1844 war das Erlebnis „Pompeji“ dann auch für Eisenbahntouristen zugänglich, die nun nicht mehr mit der Kutsche aus Neapel anreisen brauchten. Charles Dickens besuchte die antike Stadt 1848. Tief beeindruckten ihn die Spuren des Lebensalltags, welche man noch immer an jeder Ecke entdecken konnte. Mit Mark Twain bereiste 1867 ein weiterer einfühlsamer Autor des 19. Jahrhunderts die Ruinen. In seinen Berichten lässt er das Leben der Stadt wieder aufleben und träumt sich und den Leser in das antike Pompeji hinein. Pierre-Auguste Renoir, der die Ausgrabung 1881 besuchte, ließ sich für seine eigenen Werke von den antiken Künstlern und deren Techniken nachhaltig inspirieren. 1921 erreichte der japanische Kronprinz Hirohito von Japan den Hafen Neapels und besuchte von hier an seinem letzten Tag Pompeji, worüber er sich beeindruckt äußerte. Trotz des nur kurzen Aufenthaltes von Hirohito, wirkte sich dieser langfristig aus: Da er als erster japanischer Kronprinz sein Land verlassen hatte, öffnete es sich kulturell, und so schrieb sich 1967 ein japanischer Student an der kunstgeschichtlichen Fakultät Rom ein. Später erforschte er als Professor die verschüttete Stadt und leitete in Tokio das Nationalmuseum für westliche Kunst. Hermann Göring besuchte Pompeji mehrmals, einerseits aus Interesse, andererseits um deutsche Ansprüche an dem europäischen Kulturgut zu stellen. Anfang der 1950er Jahre drehten Roberto Rossellini und Ingrid Bergmann ihre ersten gemeinsamen Filme in Pompeji und Neapel. Es entflammte schnell eine Affäre zwischen ihnen, gefolgt von ihrer Heirat.

Der Leser wird auf eine Zeitreise in verschiedene Epochen der antiken Stadt mitgenommen und erfährt die Beobachtungen prominenter Besucher. So bietet sich die Gelegenheit, Pompeji nicht nur im heutigen Zustand oder aus dem geschichtlichen Aspekt kennenzulernen, sondern aus den Blickwinkeln verschiedener Menschen dessen Entwicklung über die Jahrhunderte, die in den Bann der versunkenen Stadt gezogen wurden. Dem Leser wird Pompeji auf eindrucksvolle Art in Zeitraffer vorgestellt, wie es bei einem einfachen Besuch der Stadt gar nicht möglich ist.

Ingrid D. Rowland stellt die unterschiedlichen Reiseberichte berühmter Persönlichkeiten mitreißend in einer Mischung aus historischen Details und touristischen Eindrücken dar. Dabei spürt der Leser nicht nur die eigene Begeisterung der Autorin, sondern gleichermaßen die der prominenten Besucher der Ruinen. Ein gelungenes Werk, das die immer noch währende Anziehungskraft von Pompeji deutlich macht.

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