Titel
Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt
Rezension

Die deutsche Sprache hat hinsichtlich ihrer Stellung unter den Einzelsprachen in der Welt eine wechselhafte Geschichte erfahren, die von der zunehmenden Konkurrenz zum Lateinischen als europäischer Lingua franca des Mittelalters bis zur zunehmenden Konkurrenz vom Englischen als internationaler Lingua franca im Zeitalter der Globalisierung reicht. Die gegenwärtige Stellung des Deutschen in der Welt ist derzeit Gegenstand zahlreicher intensiv, teils auch emotional geführter Diskussionen in der Öffentlichkeit – sei es in der Wissenschaft, in der Politik oder auch im privaten Bereich. Vor diesem Hintergrund ist es ausgesprochen zu begrüßen, dass einer der besten Kenner dieser Materie nun eine umfassende Monographie vorlegt, in welcher der aktuelle Stand der Forschung zusammengefasst und anhand zahlreicher neuer Daten nicht nur aktualisiert, sondern oft auch vertieft und weitergeführt wird.

Das Werk gliedert sich in elf große Abschnitte: Abschnitt A befasst sich mit dem „Spannungsfeld nationaler Interessen und globaler Kommunikation“ (1) und nimmt dabei eine ganze Reihe konzeptioneller und historischer Klärungen vor, die für eine sachlich adäquate Auseinandersetzung mit dem Thema hilfreich sind. Im Abschnitt B wird geklärt, was eigentlich unter der deutschen Sprache und dem deutschen Sprachgebiet zu verstehen ist, um dann in Abschnitt C die Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen sowie deren volkswirtschaftliche Bedeutung zu erörtern. Das Deutsche wird in einigen Ländern dieser Erde als Amtssprache oder als (staatlich anerkannte) Minderheitensprache verwendet; diesen beiden Verwendungsbereichen sind die Abschnitte D und E gewidmet. Im Weiteren gibt es eine ganze Reihe an Bereichen, in denen die deutsche Sprache auch in der internationalen Kommunikation von Bedeutung war oder es noch immer ist, so insbesondere die Wirtschaftskommunikation (Abschnitt F), die Wissenschaftskommunikation (Abschnitt G), die Diplomatie innerhalb der Europäischen Union (Abschnitt H) oder der internationale Tourismus (Abschnitt I); hierzu gehört nicht zuletzt auch der Bereich von Presse, Fernsehen und Rundfunk sowie Neuen Medien einerseits sowie die belletristische Literatur und Liedmusik (Abschnitt J). Außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachgebiets wird das Deutsche aus ganz unterschiedlichen Gründen und unter ganz verschiedenen Bedingungen als eine fremde Sprache erworben (Abschnitt K). Und letztlich ist die Stellung der deutschen Sprache in der Welt auch abhängig von ihrer (politischen) Förderung, wie in Abschnitt L deutlich gezeigt wird. Eine Bibliographie und ein Sachregister runden den Band ab und helfen, seinen Inhalt auch quer zu der genannten Systematik zu erschließen.

Im Ganzen legt Ulrich Ammon einen nicht allein von seinem Umfang her betrachtet gewichtigen Band vor: Sein neues, weit über zwölfhundert Seiten starkes Werk darf vielmehr angesichts seiner Detailfülle und Argumentationstiefe, die auch zahlreiche Ergebnisse eigener Forschung aus den letzten Jahrzehnten zusammenführt, als ein Meilenstein seines akademischen Schaffens angesehen werden. Angesichts der nicht immer gerade sachlich fundierten öffentlichen Debatte um die deutsche Sprache und deren Stellung in der Welt sollte Ammons Monographie jedem zur Lektüre empfohlen werden, der sich diesem wichtigen Thema aus ernsthaftem Interesse nähern möchte – sei es nun als sprachwissenschaftlicher Experte oder als sprachinteressierter Laie.

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