Titel
Abu Simbel – Die Felsentempel Ramses‘ II. von der Pharaonenzeit bis heute
Rezension

Joachim Willeitner versucht den Leser mit seinem Band, auf eine Reise von der Pharaonenzeit bis heute mitzunehmen und ihm dabei die beiden Felsentempel von Abu Simbel näher zu bringen. Schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses wird klar, dass der Autor sich sehr für die Forschungsgeschichte der Tempel interessiert. Die Kapitel über den Bau der Tempel und ihre Beschreibung befinden sich erst am Ende des Buches und machen gerade einmal 55 Seiten aus. Der Rest des Bandes widmet sich den Besuchern und Forschern der Tempel.

Unter dem veröffentlichten Titel wird das Buch den Erwartungen nicht gerecht. Geht man aber mit einer anderen Intention daran, nämlich, dass man sich mit der Forschungsgeschichte befassen möchte, so hat man einen exzellenten Titel zur Hand, der einen auf unterhaltsame Weise in andere Zeiten versetzt. Ein anderer Titel wie zum Beispiel „Abu Simbel – ein touristisches Highlight durch die Jahrhunderte“ wäre passender gewesen.

Willeitner beginnt in seinem Vorwort mir der Rettung der Tempel vor den Wassern des Nasser-Sees. Im ersten Kapitel beginnt die Zeitreise ins 19. Jhd. Zu dieser Zeit trafen die ersten europäischen Besucher in Ägypten ein und entdeckten die Tempel von Abu Simbel für sich. Die Bauwerke waren zu der Zeit fast vollständig unter dem Wüstensand verschüttet. Der Autor hat sehr gut recherchiert und bringt viele Anekdoten zu den Besuchern an. Zitate der Reiseberichte lockern die Texte auf und führen einem die damalige Situation plastisch vor Augen. Leider sind die Zitate teilweise zu lang (teils über mehrere Spalten) und auch ganze Biografien der Besucher längen den Text. Farbenprächtige Bilder lockern den Text auf und zeigen über das gesamte Buch hin weg die Entwicklung der Erforschung auf. Ein kurzes Kapitel über die Topographie leitet zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen der frühen Nubienreisenden weiter. Besonders die farbenprächtigen Abbildungen machen dieses Kapitel sehr unterhaltsam.

In folgenden geht es dann um die europäischen Besucher - vor allem die des Adels, die sich gerne in den Tempelwänden verewigten. Willeitner setzt dabei ein besonderes Augenmerk auf die reisenden Frauen dieser Zeit und ihre Berichte. Und er zeigt, dass sie bei der Erforschung ebenso eine Rolle wie die Männer spielten. Die Zeit vom Ende des 19. Jhd.s bis zum Bau der Staudämme überspringt der Autor dann.

Die Staudammbauten und die damit verbundenen Probleme werden sehr plastisch beschrieben. Nach der Rettung der beiden Tempel macht Willeitner einen Zeitsprung und widmet sich der antiken Baugeschichte. Er betrachtet jedoch nur die Vizekönige von Nubien, welche die Bauleiter der Tempel waren, sowie die rund um die Tempel eingemeißelten Stelen. Die nachfolgende Beschreibungen der Tempelaußenseiten sind sehr gelungen, teils jedoch zu detailliert. Die Schilderung des Tempelinneren ist so gut, dass man sie hervorragend als Reiseführer nutzen kann. Leider fehlt ein Grundriss beider Tempel, in dem man alle Räume gut erkennen kann.

Diese Beschreibung des Kleinen Tempels ist Willeitner indes nicht so gut gelungen. Oft versteht man den Text durch seine Kompliziertheit nicht, und man verliert schnell die Orientierung im Tempel, da auch hier der Grundriss fehlt. Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel über die Standortwahl und das Sonnenwunder, wobei an den beiden Tag-und-Nachtgleichen die Strahlen der aufgehenden Sonne die Statuen im Sanktuar beleuchten. Das Kapitel zeugt von großen astronomischen Kenntnissen der alten Ägypter.

Willeitners Buch lässt sich gut lesen und ist vor allem für diejenigen interessant, die sich mit den frühen Ägyptenreisenden und ihren Erlebnisse rund um Abu Simbel beschäftigen möchten.

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