Titel
Religiöse Erinnerungskulturen
Untertitel
Formen der Geschichtsschreibung in der römischen Antike
Rezension

Jörg Rüpke, der Autor der vorliegenden Publikation, ist Professor für Vergleichende Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt der europäischen Polytheismen an der Universität Erfurt; bemerkenswert ist u.a. sein beeindruckendes Publikationsverzeichnis. 2011 erschien von ihm bei der WBG bereits der Band 'Von Jupiter zu Christus. Religionsgeschichte in römischer Zeit'. Blickt man an den Anfang der Geschichtsschreibung, so greift diese zumindest im alten Rom zurück auf religiös motivierte priesterliche Aufzeichnungen, auf Festkalender und Beamtenlisten. Geschichte und Religion stehen demnach seit Beginn an in einem engen Verhältnis zueinander. Erst später entwickeln sich daraus schließlich Formen 'weltlicher' Geschichtsschreibung, wie etwa die 'Annales' des Tacitus oder die 'Commentarii' des Caesar. Jörg Rüpke untersucht in seinem Buch eben dieses spannungsreiche Wechselspiel zwischen religiösen Erinnerungskulturen und Geschichtsschreibung in der römischen Antike. Unterteilt ist sein Werk in drei Kategorien: a) die Ausbildung historiographischer Gattungen in der späten Republik b) Chroniken & Kalender und c) Religion als Geschichte. Innerhalb der ersten Kategorie werden sowohl historiographische als auch pontifikale Quellen anhand einiger Beispiele vorgestellt. So werden die u.a. für die Jahre 218-167 v. Chr. erhaltenen Bücher des livianischen Geschichtswerkes mit deren eingefügten Notizen über Aufnahmen oder Todesfälle römischer Priester vorgestellt. Ein eigenes Kapitel kommt des Weiteren auch Caesars 'Commentarii' über dessen Feldzüge zu. Danach werden die zahlreichen und kaum im Ganzen überschaubaren überlieferten Chroniken und kalenderartigen Listen des Römischen Reiches vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die sogenannten Fasti gelenkt. Die Fasten waren ursprünglich römische Listen der Gerichtstage, denen später noch weitere Feiertage hinzugefügt wurden. Bekannt ist auch ein gleichnamiges Werk des Ovid (ca. 2-8 n. Chr. verfasst); hierbei handelt es sich jedoch um einen poetischen Festkalender im elegischen Distichon. Dort beschrieb der Dichter die mythologischen Hintergründe und kultischen Rituale dieser Festtage, sowie deren Namensherkunft. Nach einer einführenden Diskussion, inwieweit Fasti Quellen oder Produkte römischer Geschichtsschreibung darstellten, werden unter anderem die 'Fasti Capitolini', 'Fasti Antiates maiores', 'Fasti Ostienses', 'Fasti Filocali', 'Fasti Polemii Silvii' etc. erläutert. In der letzten Kategorie wird auf die Historisierung von Religion und Ritualen eingegangen. Dort werden vor allem die Bücher des Numa genannt. Hierbei handelt es sich vermutlich um Bücher pythagoreischen Inhaltes. Sie wurden im Jahre 181 v. Chr. im Sarkophag des zweiten römischen Königs, Numa Pompilius, gefunden. Ferner wird auf das 'Regifugium' (Königsflucht) eingegangen, welches ein späteres Fest zum Beginn der Republik am 24. Februar bezeichnete. Ein Manko allerdings ist an dem durchweg gelungenen Werk zu bemängeln: Wenn im Fließtext auf bestimmte Zitate verwiesen wurde, sollte man in den angehängten Fußnoten, diese im Original oder in Übersetzung finden können. Es wird jedoch lediglich auf Inschriftenbände verwiesen, die vielleicht nicht jedem Leser sofort zugänglich sind. Am Schluss beinhaltet die Publikation eine ausführliche Bibliographie, sowie ein nützliches Sach- und Stellenregister.

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