Titel
Globalgeschichte
Untertitel
Methoden und Theorien
Rezension

Auch wenn globalhistorische Studien bislang weder im studentischen Lektürekanon, noch auf den Nachttischen des interessierten Lesepublikums fest etabliert sind, gibt es schon eine starke Tradition der programmatischen, theoretischen und methodischen Reflexionen zur historischen Analyse der weltweiten Verflechtungen. Andrea Komlosy, Professorin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien und Autorin von Beiträgen zur Grenzproblematik oder zur globalisierten Textilherstellung, hat nun in der Studienreihe der Verlagsgemeinschaft UTB ein klar strukturiertes Handbuch zu Methoden und Theorien der Globalgeschichte vorgelegt. Dabei geht es ihr um die Klärung basaler Spannungsfelder globalgeschichtlicher Deutung: 1. um Raum und Zeit in ihrer 'realen' wie symbolischen Bedeutung (vor allem in der Zuschreibung von historischem Vorsprung und Rückständigkeit), 2. um die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen als einer ubiquitären Erfahrung in Feldern wie der Güterproduktion, den Arbeitsverhältnissen und der kulturellen Orientierung sowie 3. um die komplexen Bezüge zwischen kleinräumigen Strukturen, Weltregionen und Weltsystemen.

Dabei definiert sie Globalgeschichte als einen methodischen Zugriff, um 'den Vergleich, die Verbindung und die Interaktion zwischen den verschiedenen regionalen Schauplätzen des historischen Geschehens über klein-, mitunter auch großräumige Grenzen hinweg in Angriff zu nehmen' (S. 9). Das Buch will ein 'systematischer Problemaufriss und methodisch-arbeitspraktische Anleitung in einem' (S. 15) sein. Im Ergebnis bietet das Buch eine übersichtlich didaktisierte Einführung in das kategoriale Denken der räumlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtung. Ganz nebenbei perspektiviert es globalgeschichtliche Phänomene aus einer österreichischen Warte. Denn zahlreiche Beispiele der Autorin beziehen sich auf eigene Forschungen zum mittelosteuropäischen Raum, der in der klassisch-kolonialhistorisch dominierten Globalgeschichtsschreibung bislang eher unterrepräsentiert war. Mit seinen klaren Definitionen, den thesenartigen Zusammenfassungen, den informativen Tabellen, den annotierten Literaturhinweisen und den teilweise selbst gezeichneten Schaubildern eignet sich der Band als ein überaus nützliches Vademecum in einem Untersuchungsbereich, der durch die exponentielle Erweiterung der zu analysierenden Bezüge oft zur Unübersichtlichkeit neigt.

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